Das deutsche Alibi – Mythos „Stauffenberg-Attentat“

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Wie der 20. Juli 1944 verklärt und instrumentalisiert wird - Gespräch mit Ruth Hoffmann

Den meisten Deutschen galten die Widerstandskämpfer um Claus von Stauffenberg nach dem Krieg noch jahrzehntelang als Landesverräter. Offiziell aber wurden sie ab Mitte der 1950er Jahre zu Vorbildern erklärt und als entlastender Beweis für die Existenz eines „anderen Deutschlands“ gehandelt. Das Gedenken unterlag stets politischen Erwägungen, wodurch viele Fakten, Hintergründe und Beteiligte auf der Strecke blieben. So wissen zum Beispiel nur die Wenigsten, wie groß und vielfältig das Netzwerk der Verschwörer war und dass auch Zivilisten wie Adam von Trott zu Solz oder Julius Leber aktiv beteiligt waren, die nach geglücktem Staatsstreich politische Positionen übernommen hätten.

Unser verengtes Bild vom 20. Juli 1944 ist das Ergebnis einer Entwicklung voller Widersprüche, skandalöser Vereinnahmungen und beschämender Versäumnisse. Seine Rezeptionsgeschichte ist ein Spiegel unseres Umgangs mit der NS-Vergangenheit – und mit unserem demokratischen Erbe. Ihr vorläufiger Tiefpunkt ist die Vereinnahmung des Gedenkens durch Neue Rechte und AfD, die behaupten, in einer Tradition mit Menschen wie Stauffenberg zu stehen, weil angeblich auch sie Widerstand gegen ein unfreies System leisten.

Das Gespräch wird moderiert von Luise zu Lynar, Mitglied des Beirats. Sie sind herzlich eingeladen!

Ruth Hoffmann schreibt als Historikerin und Journalistin für verschiedene Medien, darunter Spiegel, Geo und Stern, über jüngere deutsche Geschichte, ihre Aufarbeitung und Verdrängung – und ihren anhaltenden Nachhall in unserer Gesellschaft. Ihr 2024 erschienenes Buch "Das deutsche Alibi" (Goldmann Verlag) wurde für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert und mit dem Sachbuchpreis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS ausgezeichnet. Jüngst erschien ihr neues Buch „Raubzug von rechts" (Goldmann Verlag), in dem sie sich damit befasst, wie AfD und Neue Rechte Ereignisse, Begriffe und Personen der Demokratiegeschichte kapern – darunter eben auch der Widerstand - zu vereinnahmen sucht. Ruth Hoffmann lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Die Veranstaltung findet in Imshausen und hybrid statt. Sollten Sie nicht nach Imshausen kommen können, melden Sie sich bitte unter ig.anmeldung@stiftung-adam-von-trott.de an, um den Zoom-Zugang zu erhalten.

Eintritt ist auf Spendenbasis. Bitte tragen Sie mit Ihrer Spende dazu bei, dass wir auch in Zukunft interessante „Imshäuser Gespräche“ anbieten können!

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Mittleres Fuldatal

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