Weithin sichtbar führt das Eisenbahnviadukt Oberrieden am Ende der Werraschleife über den früheren Grenzfluss Werra zwischen Hessen und Thüringen.
Zwischen 1870 und 1875 wurde der Vorgängerbau der Brücke, ein Steinbogenviadukt, erbaut. Er stand auf sieben Pfeilern, war fast 19 Meter breit und 29 Meter hoch. 1872 wurde hierfür die Werra etwas umgeleitet, damit der Fluss gut zwischen den Pfeilern durchfließen konnte. Anfang April 1945 wurde diese Brücke wie auch die Straßenbrücke nach Lindewerra von zurückweichenden deutschen Soldaten gesprengt, um den Alliierten das weitere Vorrücken zu erschweren. US-amerikanische Truppen, die nur wenige Tage später Oberrieden erreichten, begannen umgehend, eine eingleisige Behelfsbrücke für die wichtige Nord-Süd-Verbindung zu bauen, die Ende August 1945 fertig war. Die US-Alliierten brauchten die Strecke zur Versorgung des amerikanischen Sektors mit Waren, die sie per Schiff nach Bremerhaven gebracht hatten.
Der Bahnverkehr auf der Behelfsbrücke gestaltete sich zu Beginn des Kalten Krieges schwierig, befand sich doch ein etwas drei Kilometer langes Teilstück der Strecke - nämlich von der Brückenmitte bis in den Bebenroth-Tunnel - im sowjetisch besetzten Sektor. Die russischen Kräfte sperrten oder behinderten immer wieder den Verkehr auf der Brücke und besetzten den Haltepunkt Werleshausen. Aus diesem Grund wurde am 17. September 1945 im Kalkhof bei Wanfried das Wanfrieder Abkommen der beiden beteiligten Besatzungsmächte geschlossen, das einen Gebietsaustausch vorsah. Zwei thüringische Dörfer und die Bahnlinie wurden hessisch, fünf hessische Dörfer wurden im Gegenzug thüringisch. Der Vertrag trat sofort in Kraft, bereits zwei Tage später mussten die jeweils abgegebenen Gebiete militärisch geräumt sein. Da der Vertrag wohl mit Whisky und Wodka gefeiert wurde, wird die Bahnlinie auch als "Whisky-Wodka-Linie" bezeichnet.
Bereits im Mai 1946 wurde der Neubau der nunmehr durchgehend in Hessen liegenden Brücke geplant, der im März 1947 begann. Am 10. Mai 1949 konnte dann die neue, zweigleisige Brücke eingeweiht werden. Die Brücke ist nun 140 Meter lang und 31 Meter hoch.
Das Eisenbahnviadukt wird auch heute noch von Personen- und Güterzügen befahren. Dieser Abschnitt wird vom Nordhessischen Verkehrsverbund mit den Cantus-Zügen auf der Strecke Göttingen-Bebra für den Personenverkehr bedient.
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